Ausgangslage
Eine Neukundin wendet sich mit einem ungewöhnlichen Fall an die Hotline: Auf ihrem Betrieb lebt ein einwöchiges Zwillingskalb, das seit drei Tagen am Rücken stark schwitzt – trotz des bereits kühlen Wetters. Im Verlauf der gezielten Anamnese berichtet die Tierhalterin, dass die Geburt für Muttertier und Kälber sehr anstrengend war. Das zweite Zwillingskalb kam tot zur Welt, und bei der Kuh besteht eine Nachgeburtsverhaltung. Das überlebende Kalb hat sich von der Geburt jedoch gut erholt und trinkt häufig bei seiner Mutter. Auf Bitte der Beraterin sendet die Tierhalterin ein Video des Kalbes. Bei der Beurteilung fällt eine leicht erhöhte Atemfrequenz auf. Die Beraterin empfiehlt das homöopathische Mittel Silicea und rät zusätzlich zu einer diagnostischen Abklärung durch den Bestandstierarzt. Dabei sollten insbesondere die Grundvitalwerte sowie die Herz- und Lungengeräusche überprüft werden.
Rückmeldung am nächsten Tag
Wie am Vortag besprochen, wird der Tierarzt hinzugezogen. Anhand der Herzgeräusche diagnostiziert er tatsächlich einen Herzfehler. Da die Lidhäute des Kalbes etwas blass sind, verabreicht er zusätzlich Eisen. Aufgrund der Diagnose empfiehlt die Beraterin nun die homöopathischen Mittel Carbo vegetabilis und Spongia.
Rückmeldung 10 Tage später
Die Besitzerin meldet sich mit erfreulichen Neuigkeiten: Das Kalb gedeiht prächtig! Seit etwa drei Tagen schwitzt es nicht mehr. Es trinkt weiterhin sehr gut, springt mit den anderen Kälbern umher und schläft nun auch regelmässig tief und entspannt – etwas, das anfangs kaum zu beobachten war. Die Beraterin empfiehlt, wieder auf das homöopathische Mittel Silicea zu wechseln.
Bemerkungen zum Fall
Herzfehler treten vermutlich häufiger auf, als allgemein angenommen wird, werden bei Nutztieren jedoch nur selten diagnostiziert. Mögliche Ursachen sind Anomalien der Herzklappen oder ein unvollständiger Verschluss der sogenannten Shunts. Während der Trächtigkeit ist die Lunge des Kalbes noch nicht belüftet; die Sauerstoffversorgung erfolgt über das Blut des Muttertiers und die Plazenta. Sobald bei der Geburt die Nabelschnur durchtrennt wird und das Neugeborene erstmals atmet, schliessen sich normalerweise drei Shunts: der Vorhof-Shunt, eine Öffnung in der Herzscheidewand zwischen rechtem und linkem Vorhof; der Gefäss-Shunt, eine Verbindung zwischen Lungenschlagader und Hauptschlagader; und der Leber-Shunt, der Nabelvene und Hohlvene miteinander verbindet. Als bewährtes Herzmittel kann Spongia in einem solchen Fall unterstützend eingesetzt werden.
Im November schauen wir uns ein Nachgeburtsverhalten an.