Der Fall des Monats - Angewandte komplementäre Tiermedizin

Simmentaler Milchkuh Donau mit Mastitis und Stoffwechselproblem


Donau hat im März 2019 gekalbert, ist jetzt in der vierten Laktation. In der Regel hatte sie Zellzahlen zwischen 80 und 150. Seit der Geburt gibt sie aber im Schalmtest hinten rechts an, seit gestern hat sie nun einen Viertel hinten links.

Sie bekam gestern Oxytocin gespritzt, damit sie die Milch runterlässt. Mit 38.9°C hatte sie Normaltemperatur, der Allgemeinzustand war gut. Sie bekam von der Landwirtin Aconitum verabreicht. Heute Morgen war es unverändert, die Temperatur ist nun leicht erhöht mit 39.1°C. Daraufhin bekam sie Belladonna.

Aktuell ist der Viertel schmerzhaft (aber sie schlägt nicht extrem) und wärmer als die anderen, auch leicht gerötet um die Zitze rum. Er ist deutlich verhärtet von Mitte Euter bis rund um Zitze, die Sekretfarbe ist gelblich. Es kommen zuerst gelbe Fetzen, die Milchmenge ist leicht vermindert. Gelegen ist Donau nicht auf dem erkrankten Viertel. Seit vier Tagen gehen die Kühe auf die Weide, werden aber im Stall weiterhin mit viel Heu und Mais zugefüttert. Donau ist eher eine ranghohe Kuh, eine ruhige, mittelgrosse mit langen Hörnern.

Die Beraterin empfiehlt Pulsatilla zu geben.

 

Nach dieser Empfehlung gab die Besitzerin keine Rückmeldung mehr. Aus der Qualitätssicherung / Umfrage ist aber ersichtlich, dass Donau damals mit Antibiotika nachbehandelt werden musste, da die Homöopathie offenbar nicht viel bewirkt hat. Das Antibiotikum musste auch noch gewechselt werden, danach kam es zu einer vollständigen Heilung gemäss Besitzerin.

 

Erneute Beratung ein Jahr später

Donau hat das fünfte Mal gekalbert und anschliessend ist sie festgelegen. Trotz Calcium-Infusion und homöopathischer Begleitung der Landwirtin mit Calccium phosphoricum und Calcium carbonicum und Vitamin D3 vor der Geburtliegt Donau immer noch fest.

Gekalbert hat Donau vor zwei Tagen, alleine, danach war sie fit und hat gut gefressen. Die Temperatur war immer im Normalbereich. Donau hatte vor zwei Jahren Zwillinge.

Bis gestern Abend war alles ok. Heute Morgen ist sie beim Tor der Abkalbebox festgelegen. Das Stroh rundum war aufgewühlt, sie hat versucht aufzustehen. Die Temperatur ist mit 37°C sehr tief. Um 6.30 Uhr bekam sie eine Calcium-Infusion. Sie liegt jetzt immer noch fest (knapp 3 Stunden später), ist lethargisch und frisst nicht. Die Körperoberfläche ist kalt, die Besitzerin hat Donau mit einer Decke zugedeckt. Der Kot ist etwas dicker, aber nicht ganz so dick wie sonst typisch bei Calcium-Mangel.

Die Beraterin empfiehlt Phosphorus, China und Carbo vegetabilis.

Rückmeldung ein paar Stunden später

Donau hat nach der Phosphorus-Gabe Wasser getrunken und den Kopf hochgehoben. Die Temperatur ist auf 38.5°C gestiegen. Sie ist aber noch immer nicht aufgestanden und frisst nichts. Die Schleimhäute sind blass.

Die Besitzerin erinnert sich nun noch, dass Donau schon in den Tagen vor der Geburt nicht recht gefressen habe.

Die Beraterin empfiehlt, mit Phosphorus und China weiterzumachen. Neu noch Flor de piedra dazuzugeben.

 

Folgeberatung am Abend

Es ist immer noch alles gleich, Donau frisst immer noch nichts. Sie ist jetzt aber aufgestanden. Der Tierarzt hat nochmals eine Infusion gemacht. Die Körpertemperatur lag bei 37.8°C. Im Urin wurde Blut nachgewiesen. Gebärmutterausfluss hat sie nichts Auffälliges, die Nachgeburt ist abgegangen.

Die Beraterin empfiehlt das Mittel Mercurius solubilis

 

Bemerkungen zum Fall:

Dieser Fall zeigt, wie wichtig eine gute Beobachtung um den Geburtstermin ist und wie wichtig es wäre, sofort auf diese Zeichen zu achten. Die Besitzerin erinnert sich erst bei der Folgeberatung daran, dass Donau schon vor der Geburt nicht richtig gefressen hat. Ob wir es nun mit einer Verdauungsstörung, einem Stoffwechselproblem oder Erschöpfung um die Geburt zu tun haben, spielt homöopathisch gesehen nicht so eine Rolle. Die Prozesse im Körper müssen wir aber kennen und verstehen, um die Ernsthaftigkeit und den Verlauf richtig zu beurteilen., Wir arbeiten mit den Symptomen, die Donau uns zeigt und suchen das möglichst passende Mittel raus. Das oder die gewählten Mittel müssen sicher die Stoffwechsellage um die Geburt gut mit abdecken. Am Ende hat uns das Blut im Urin bei der Mittelwahl geholfen, da dies ein nicht sehr häufiges Problem darstellt. Das Blut kann durch Quetschungen oder stoffwechsel-bedingt sein.

 


 






Vorschau - August 2021:

Wie geht es weiter mit Donau? Beginnt sie nach Mercurius solubilis wieder zu fressen? Es bleibt spannend, lesen sie im August, wie es weitergeht…



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